Flüchtlinge willkommen heißen, Menschen auf der Flucht vor Menschen aufnehmen, Menschen bei uns beherbergen

 

 

Liebe Gemeinde,

bitte stellen Sie sich einmal vor, Sie wären es selbst, die sich flüchten vor Gewalt, Krieg und Terror, vor Verfolgung und Hunger, vor Bedrohung an Leib und Seele. Hätten alles zurücklassen müssen, was Ihnen wert und wichtig ist, kämen mit Bildern und Erfahrungen vor Augen, die Menschen eigentlich gar nicht verkraften können. Es ist schwer, sehr schwer, sich für uns wirklich tief in diese Situation einzufühlen. Und doch, schon alleine das, was uns nachzuempfinden möglich ist, macht uns betroffen, schockiert und fordert uns heraus.

 

Ja, es ist ein offen und öffentlich diskutiertes Thema. Zu uns flüchten sich Menschen. Da gibt es Zahlen von Flüchtenden, Aufnahmezahlen, Zahlen, Zahlen Zahlen. Aber nur einmal angenommen, wir wären wirklich selbst in dieser Situation. Was würden wir von Mitmenschen erwarten, was würden wir von anderen Menschen brauchen? Was erhoffen? Egal, ob wir die Sprache dieser Menschen sprechen, egal, ob wir den gleichen kulturellen Hintergrund haben, egal, ob wir uns zu derselben Religion oder Weltanschauung bekennen, es sind Menschen, unsere Mitmenschen, die hier Hilfe suchen und unsere Hilfe so dringend benötigen. Wir sind gerufen und aufgerufen, hier helfend in unserer Gemeinde für diese Menschen da zu sein. Und es gibt sie hier bei uns, die Kultur der Gastfreundschaft und des Willkommens, sie wird gelebt und ist uns ein großes Anliegen. Nicht nur auf dem Papier. Aus diesem Grunde haben wir der Stadt Düsseldorf das ehemalige Pfarrhaus an der Kirche Sankt Adolfus, Fischerstraße 77, zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden angeboten. Dieses Haus, seit sieben bzw. acht Jahren leerstehend, sollte eigentlich längst abgerissen und ein neues Gebäude dafür errichtet worden sein. Vielleicht stellen sich die nicht voraussehbar gewesenen Unwägbarkeiten, die dies noch nicht haben realisierbar werden lassen, nun als Segen dar. Und voraussichtlich wird eine Umsetzung auch erst ab 2017 möglich sein. So werden wir aufgrund der aktuellen Notlage die im Erdgeschoss gelegenen Räume und die Sanitärräume im ersten Obergeschoss dieses Gebäudes der Stadt Düsseldorf zur Aufnahme von Flüchtlingen und Asyl suchenden Menschen vom 1. März 2015 an für einen Zeitraum bis zum 31. Dezember 2017  zur Verfügung stellen.

 

Der Antrag dafür liegt dem erzbischöflichen Generalvikariat zur Genehmigung vor. Spontan hat sich bereits eine kleine Hilfsgruppe gebildet, die zusammen mit Michael Wegener, Mitglied des Kirchenvorstands, dieses Projekt verantwortlich begleitet. Sie ALLE, die bereit sind, handwerklich oder durch andere Hilfsleistungen zu einer menschenwürdigen und wohnlichen Unterbringung beizutragen, bitte ich, sich bei Monika Köppen (0211-4912634) zu melden, die die Koordination der Helfenden übernommen hat.

 

Aus Gesprächen und Nachfragen vieler Menschen hier bei uns weiß ich, wie schwer zu verkraften Sie die Zeit der Untätigkeit in dieser drängenden Notlage empfunden haben. Nun können wir diese als Anliegen unserer Gemeinde  gemeinsam  lindern helfen und miteinander tragen und so gemeinschaftlich Unmenschlichkeit und Leid mindern. Es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen! Und wir als Gemeinde können dies nun tun. Nicht nur, weil wir hoffen, dass uns dies selbst nie geschieht, nicht nur, weil wir so viel mehr haben als die Menschen, die nun zu uns kommen, sondern weil es uns ein Anliegen als Gemeinde ist, hier helfend anderen Menschen beizustehen. Und so bitte ich Sie, als Ihr Pastor und wünsche mir sehr, dass wir dieses Vorhaben als unser Herzensanliegen unterstützen und an der Seite dieser Menschen stehen.

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Pastor Heribert Dölle