Seht mein Knecht: Verachtet und gepriesen

Predigtreihe über die Gottesknechtslieder des Jesaja

Kirche Sankt Rochus, Prinz-Georg-Straße / Bagelstraße

Wenn wir eintreten in die Fastenzeit, uns dem aussetzen, was dunkel und unheilvoll ist, dann treten wir ein in eine lange Tradition unseres Glaubens. Die Texte der Fastenzeit, sie sind geprägt von Schuld- und Leiderfahrungen, und sie haben ihre alttestamentliche Wurzel in den Gottesknechtsliedern des Propheten Jesaja. Diese berichten von der Geschichte des jüdischen Volkes, vom Schicksal des leidenden Gerechten, der in Krankheit, Schmerz und Tod die Schuld und das Versagen der anderen trägt und auf diese Weise unser aller Heil vermittelt. Der leidende Gottesknecht, der sich ganz und gar Gott anvertraut und lebt und stirbt, er wird im Neuen Testament mit Jesus identifiziert.

So ziehen die Texte des sogenannten zweiten Jesaja den großen Bogen vom Volk Israel zu Jesus, dem Christus, dem Messias, bis hin zu uns und unserem eigenen Leben. Sie stellen die Frage nach dem Sinn von Leiden und Sterben. Und sie bezeugen, dass Gott auch im Dunkel des Leides und des Todes da ist und Heil wirkt. Am Ende ist das Licht, sein Licht.

Wenn wir also eintreten in die Fastenzeit und uns auf den Weg machen, mit uns selbst und unserem Gott in Verbindung kommen, so bereiten wir uns vor, einzutreten in eine leiblich-menschliche Erfahrung unseres Glaubens.

Die Predigten in der Fastenzeit 2018  werden der Reihe nach die Verkündigung in den Abendmessen von Sankt Rochus prägen.

Pastor Heribert Dölle

Themen und Termine

Aschermittwoch, 14. Februar: Einführung (Pfarrer Dölle; P. Mennekes SJ)

"Seht her ..." (Jesaja 42,1a)

 

1. Fastensonntag, 18. Februar: Erstes Lied, Jesaja 42,1-7 (Pfr. Dölle) 

„Mein Knecht, den ich stütze“ Jes 42,1b

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat. Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn / steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. / Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. / Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn / und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, / auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, / aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit der Völker, / er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, / wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn. Ja, du hast dein Volk, das Haus Jakob, verstoßen; / denn es ist voll von Zauberern und Wahrsagern wie das Volk der Philister / und überflutet von Fremden. Sein Land ist voll Silber und Gold, / zahllos sind seine Schätze. Sein Land ist voll von Pferden, / zahllos sind seine Wagen.

 

2. Fastensonntag, 25. Februar: Zweites Lied, Jesaja 49,1-6 (Pfr. Dölle)

„Berufen vom Mutterleib an…“ Jes 49,1b

Hört auf mich, ihr Inseln, / merkt auf, ihr Völker in der Ferne! Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen; / als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt. Er machte meinen Mund zu einem scharfen Schwert, / er verbarg mich im Schatten seiner Hand. Er machte mich zum spitzen Pfeil / und steckte mich in seinen Köcher. Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, / an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will. Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht, / habe meine Kraft umsonst und nutzlos vertan. Aber mein Recht liegt beim Herrn / und mein Lohn bei meinem Gott. Jetzt aber hat der Herr gesprochen, / der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe / und Israel bei ihm versammle. So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt / und mein Gott war meine Stärke. Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, / nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten / und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker; / damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.

 

3. Fastensonntag, 4. März: Drittes Lied, Jesaja 50,4-11 (P. Mennekes SJ)

„Zum Stärken, zum Aufmuntern, zum Helfen“ Jes 50,4ff.

Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, / damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, / damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. / Ich aber wehrte mich nicht / und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, / die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, / meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht / vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; / darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; / ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. / Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! / Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? / Er trete zu mir heran. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen. / Wer kann mich für schuldig erklären? Seht: Sie alle zerfallen / wie ein Gewand, das die Motten zerfressen. Wer von euch den Herrn fürchtet, / der höre auf die Stimme seines Knechtes. Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, / der vertraue auf den Namen des Herrn / und verlasse sich auf seinen Gott. Ihr alle aber, die ihr Feuer legt / und Brandpfeile entzündet, sollt in die Glut eures eigenen Feuers laufen / und in die Brandpfeile geraten, die ihr entflammt habt. Durch meine Hand kommt das über euch; / am Ort der Qualen werdet ihr liegen.

 

4. Fastensonntag, 11. März: Viertes Lied, Jesaja 53,1-12 (P. Mennekes SJ)

 „Unsere Krankheit getragen, auf sich geladen“ Jes 53,4

Wer hat unserer Kunde geglaubt? / Der Arm des Herrn - wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, / wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, / sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, / dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, / ein Mann voller Schmerzen, / mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, / war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen / und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, / von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, / wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, / durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, / jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn / die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, / aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, / so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, / doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten / und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, / bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat / und kein trügerisches Wort in seinem Mund war. Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), / er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. / Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. / Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; / er lädt ihre Schuld auf sich. Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen / und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab / und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen / und trat für die Schuldigen ein.

 

Passionssonntag, 18. März: Gebet des Knechtes, Psalm 22,1-22 (Pfr. Dölle)

„Du aber Herr, halte dich nicht fern! Rette mich! Ps 22,20.22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, / bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage? Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; / ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe. Aber du bist heilig, / du thronst über dem Lobpreis Israels. Dir haben unsre Väter vertraut, / sie haben vertraut und du hast sie gerettet. Zu dir riefen sie und wurden befreit, / dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, / der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, / verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: «Er wälze die Last auf den Herrn, / der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, / wenn er an ihm Gefallen hat.» Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, / mich barg an der Brust der Mutter. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, / vom Mutterleib an bist du mein Gott. Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe / und niemand ist da, der hilft. Viele Stiere umgeben mich, / Büffel von Baschan umringen mich. Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, / reißende, brüllende Löwen. Ich bin hingeschüttet wie Wasser, / gelöst haben sich all meine Glieder. / Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen. Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, / die Zunge klebt mir am Gaumen, / du legst mich in den Staub des Todes. Viele Hunde umlagern mich, / eine Rotte von Bösen umkreist mich. / Sie durchbohren mir Hände und Füße. Man kann all meine Knochen zählen; / sie gaffen und weiden sich an mir. Sie verteilen unter sich meine Kleider / und werfen das Los um mein Gewand. Du aber, Herr, halte dich nicht fern! / Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe! Entreiße mein Leben dem Schwert, / mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde! Rette mich vor dem Rachen des Löwen, / vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!  

29. März bis 2. April: Die Feiern der Kar- und Ostertage

 

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